Jazz’N’More review by Jürg Solothurnmann


cf096HERB ROBERTSON NY DOWNTOWN ALLSTARS – Real Aberration (CF 096)
Note: 4
Herb Robertsons Weg ist lang. Vom Rockjazz-Leadtrompeter und Spezialist für hohe Töne hat er sich um 1980 zu einem mehr Sound-orientierten freien Improvisator gemausert, ebenso beeinflusst von Ellingtons Trompetern wie Don Cherry und neuer Klassik, und meistens mit einem Ausdruck, der von der menschlichen Stimme abstammt. In seiner wechselvollen Laufbahn ist die Assoziation mit Tim Berne ist eine Konstante. Dieser agierte auch 2006 bei dieser Konzertaufnahme in Portugal mit. Das Album enthält beide Sets. Der kompositorische Anteil Robertsons ist auf ein Minimum beschränkt – skizzenhafte Module welche die langen Improvisationen trennen und neue Ideen einspeisen. Als „Sick(s) Fragments“ bezeichnet, sind sie auf der ersten CDs gut erkennbar. Sie setzt ein mit einem enorm klangvollen gestrichenen Solo von Dresser, der insgesamt am meisten hervorsticht. Im folgen Raineys Pauken-dominiertem Solo und ein erstes virtuoses „Gefecht“ der beiden Bläser, zweite dynamische Tandem der Band. Die Lausannerin Sylvie Courvoisier, die sich in der NYer Szene total eingelebt hat, vermittelt und macht auch ihre eigenen furiosen Statements. Doch alles wird immer wieder markig von Dresser und Rainey geerdet, die auch rockige Beats nicht verschmähen. „Re-Elaborations“, der zweiten Teil, ist insgesamt, mehr sound- und geräuschorientiert, grossflächiger angelegt und atmosphärischer, aber baut sich gegen Schluss gewaltig auf. Courvoisiers Flair für moderne Kammermusik kommt hier mehr zur Geltung und es entstehen einige faszinierende Diskurse. Insgesamt 86 Minuten abwechslungsreiche Action, wenn auch nicht ohne gewisse Längen.

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