Jazz’N’More review by Jürg Solothurnmann


cf0991TONY MALABY/WILLIAM PARKER/NASHEET WAITS – Tamarindo (CF 099)
Note: 5
Diese Studioaufnahme beginnt mit heiseren Sounds, Referenzen an den R&B, den freien Archie Shepp und an Pharoah Sanders. Wie losgelöst legt Malaby dann über den intensiven Groove volltönende Sopranlinien, die zuerst wie losgelöst schweben, um dann ins schnelle Tempo einzuschwenken. Und wieder geht’s zurück zum Tenorsax, nun mit einem freien intimen Lied. Tony Malaby trifft man selten als Leader an, zu selten. Ohne Aufsehen zu erregen hat er sich seit 1990 in New York allmählich in die vorderste Reihe gespielt, ein Musiker, der mit jeder Situation zurecht kommt, ob mit Songs, modernem Mainstream, Stücken zwischen Jazz und Neuer Musik oder mit freien Inventionen. Sein erdiges Tenorspiel ist ausgezeichnet, aber noch individueller klingt sein Sopransaxophon (vgl. Mother’s Love). Der Texaner absorbiert ein breites Spektrum von Einflüssen, ohne je eine anderen Saxophonisten zu zitieren. Malaby mag bekannt sein von Bands in der Nachfolge von Mingus oder der Zusammenarbeit mit Joey DeFrancesco und Marty Ehrlich. Wenn der Begriff überhaupt noch taugt: hier spielt er Free Jazz von heute. Ausgehend von eigenem thematischem Material entwickelt er hier sechs farbige Stücke und hat dafür die massive, engagierte Unterstützung von zwei beschlagenen Partnern mit grossen Ohren. Hochmusikalisch wird das Material locker exponiert und frei verwertet. Die Musik ist kein Moment überladen, eine anregende, szenenreiche Session, spontan und gesanglich.

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