Jazz’N’More review by Jürg Solothurnmann


cf0971STEVE LEHMAN QUARTET – Manyfold (CF 097)
Note: 4
Die Arbeit von offenen Pädagogen wie Anthony Braxtons an der Weslyan University beginnt Früchte zu bringen: Der 28jährige Saxophonist Steve Lehman ist ein ehemaliger Student von Jackie McLean und Braxton. Erstmals ist Lehman aufgefallen im Trio “Fieldworks” (PI Recordings) des indisch-amerikanischen Pianisten Vijay Iyer sowie mit Musikern aus dem Umfeld der New Yorker M-BASE. Damit ist schon einiges gesagt. Die komplexe Erweiterung des gängigen Funk mit asymmetrischer Polyrhythmik und mit Wechselmetren und der akrobatische Ausbau der Melodik sind zentrale Spezialitäten dieses Kreises. „Manyfold“ ist eine technisch nicht perfekte aber dafür spritzige Live-Aufnahme beim letztjährigen internationalen Festival in Coimbra, Portugal. Lehman’s Quartett enthält den ebenfalls viel versprechenden schwarzen Trompeten-Debutanten Jonathan Finlayson (mit Anklängen an Booker Lyttle) und die zwei älteren erfahrenen Musiker John Hebert und Nasheet Waits, dr. Absolut zutreffend heisst die CD “Manifold”. Mit einer Widmung für Evan Parker und quirligen Themen, deren turbulente Staccato-Strukturen Braxtons und Roscoe Mitchells (?) Einfluss verraten, bekennt Lehman Farbe. In seinen „Interfaces“ legt er zwei oder mehr unabhängige Tonlinien übereinander. Eine interessante Verbindung von mathematisch Ausgeklügeltem mit Temperament. Ruhigere Kontrapunkte setzen der abgewandelte tonale Postbop mit weiten Intervallen von Andrew Hill’s „Dusk“ und Finlaysons balladeske „Berceuse“.

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