Jazz’N’More review by Jürg Solothurnmann


cf107

KIRK KNUFFKE QUARTET – Bigwig (CF 107)
Note: 4

cf-106

MICHAEL DESSEN TRIO – Between Shadow and Space (CF 106)
Note: 5
Auch die amerikanische Szene gebärt ständig neue Musiker. Der aus Denver/ Colorado stammende Knuffke. Bevor der Trompeter 2005 den Sprung nach New York wagte, studierte er bei Art Lande, Ron Miles, Hugh Ragin und Wynton Marsalis. Mit seiner aktuellen Musik beruft er sich auch auf  Butch Morris, Steve Lacy und Ornette Coleman. Man könnte die Umsetzung seiner meistens konventionell groovenden Stücke als heutigen Freebop bezeichnen, der einer Linie folgt, die mit dem „George Russell Sextet“ in den späten 50er Jahren beginnt und über Don Cherrys Suiten und das AEOC, aber auch Europäern wie z.B. Manfred Schoof weiterführt. Die gehaltvollen zwölf Themen, das Niveau der häufig kollektiven Improvisationen und die robuste Kompaktheit seines Quartetts sind beachtlich. Der Form Thema-Soli-Thema wird kaum angetastet, und an stärkere Reize gewöhnte Ohren wird’s kaum stören, dass hier pantonal improvisiert wird. Die symbiotischen Interaktionen mit dem Posaunisten Dessen erweitern sich manchmal auch zu freien Soundgesprächen. Eine gemässigt moderne, aber integre Musik, die verschiedenste alte und neuere Quellen verdaut.

 Verschiedenste Quellen wie Malerei, Konzeptkunst, Weltliteratur (Neruda) und Biologie inspirierten die Kreationen des Südkaliforniers Dessen, ein Komponist und Experimentalmusiker, der die Posaune gesanglich-elegant und unkonventionell verwendet und von den Kollegen „kompositorisches Mitdenken“ verlangt. Darum ergeben sich mit der „Rhythmusgruppe“ wesentlich abwechslungsreichere und enger verzahnte Interaktionen und ein starker innerer Zusammenhang von Thema/Initialidee und improvisatorischer Verwertung, wobei der vielgefragte Sorey (George Lewis, Vijay Iyer, Anthony Davis usw.) hervorzuheben ist. Die subtile Farbgebung der Perkussion und das teilweise sparsame, andeutende Spiel wird gekonnt erweitert durch die manchmal vom Computer umgeformten Posaunenklänge. Bemerkenswert ist die Bestimmtheit des Bassisten, die auch einfach Gesten bedeutsam macht. Bei aller Avanciertheit eine gut durchhörbare Musik.

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