Jazz’N’More review by Jürg Solothurnmann


cf079ANTHONY BRAXTON / JOE FONDA – „Duets 1995“ (CF 079)
Note: 4
Diese CD ist eine Wiederveröffentlichung einer beim deutschen Label Konnex erschienenen CD. Anthony Braxton hat schon verschiedene Duetts mit Bassisten aufgenommen, beispielsweise mit Mario Pavone und Peter Niklas Wilson. Mit Joe Fonda, der ebenfalls in Neuengland lebt, spielt Braxton schon seit den 80er Jahren immer wieder. Der stark unterbewertete Bassist und Komponist ist vielleicht am besten bekannt von seinen Gruppen mit dem Pianisten Michael Jefry Stevens, in denen es häufig um allerlei Brückenschläge zwischen modernem Mainstream und Free Jazz/Free Music geht. Dies kommt der CD zustatten. Am Anfang und am Schluss stehen die Standards „All Of You“ und „Autumn in New York“. Braxtons Spielweise als Altist ist zwar stark von der Tradition (Benny Carter, Cool-Saxophonisten) beeinflusst, aber die Bebop-Stilistik hat er nie gemeistert – weder die Artikulierung noch die form- und akkordbezogene Improvisation. Diese seltsame Vorliebe irritiert darum. Doch mit allerlei Wassern gewaschen, versteht es der voluminös klingende und temposichere Fonda glänzend, die wackeligen Momente aufzufangen. – Ueberzeugender sind die anderen sechs Tracks, je drei Eigenkompositionen. In Fondas Stücken werden Themen frei weiter gesponnen, wobei Braxton Gebrauch macht von seinen differenzierten „sound languages“ und „rhythm languages“. Seine eigenen unisono exponierten Kompositionen verwerten improvisatorisch isolierte Teilaspekte, was eine kohärente Wirkung erzeugt. Jedes Stück hat einen anderen Fokus. “Composition 168 (+147)” kontrastiert bedeutsame Stille mit heftigen Ausbrüchen. In “Composition 173” wird mit Power linear gespielt, wobei Braxtons spezielle rhythmische Phrasierung besonders zur Geltung kommt. Und die “Composition 136” erforscht Varianten der Intonation und mit weiten Sprüngen zwischen extremen Tonbereichen.

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