Jazz’n’More review by Jürg Solothurnmann


CF 133DARREN JOHNSTON – The Edge of the Forest (CF 133)
Note: 5

Johnston, ein Kanadier in San Francisco, ist als Trompeter und Komponist ein Mann mit Zukunft. Er hat schon intensiv mit Solisten wie Fred Frith, Larry Ochs und Myra Melford gearbeitet; zentral aber sind sein „Nice Guy Trio“ (mit Akkordeonist Reich) und das Quintett. Seine markanten Ideen als Komponist und Arrangeur stehen deutlich im Dienst der Improvisation. Der kreative Eklektiker macht auch Theatermusik und absorbiert die Tradition von New Orleans bis Rock, Free Music und klassischer Moderne. Geschickte Kniffe vermeiden die Banalität. Die Rhythmen sind ebenso stark wie sie eiern und das musikalische Geschehen nimmt oft unerwartete, asymmetrische Wendungen. Spannung schaffen Gegensätze wie tonal Themen und Hintergründe gegen freie Improvisationen oder repetierte lebhafte Rhythmik gegen schwebende Lyrizismen. Ebenso die häufigen Wechsel  zwischen Grooves, Rubato und Fermaten. „Be The Frog“ macht z.B. den Anfang mit einem 9er Rhythmus und einem dissonant gesetzten Thema, was an George Russell erinnert. Johnstons Solo hat die spröde Gesanglichkeit Booker Littles. Es stochert fast sprechend in engen Intervallen. Mit seinem Ende versiegt auch der Beat. Dann beginnen sich Tenorsax und Klarinette pointilistisch zu umspielen und alles wächst zur Kollektivimprovisation, die zurück zum synkopischen Neuner führt, aber mit offenem Ende. – Das Schlagzeug ist meistens ziemlich diskret; der Bass aber wuchtig. Ausgezeichnet auch Ben Goldberg (bekannt mit seinem freien Klezmer-Jazz) und der hier noch kaum bekannte Sheldon Brown, ein musikalischer Nachbar Joe Lovanos. – Ein abenteuerliches, aber gut zugängliches Debut von Johnston.

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