NRW Jazz – Pascal Niggenkemper – Look With Thine Ears


By Stefan Pieper

Köln, 03.11.2015 | Nein – zum Mitsingen ist das hier nicht! Wenn Pascal Niggenkemper Klänge generiert und konzentriert, wenn er Geräuschwelten jenseits von Schmerz- und Wahrnehmungsgrenzen auf die Spitze treibt, gibt es die volle Breitseite. Er nimmt sich seinen Kontrabass vor und entblößt, seziert und dekonstruiert sämtliche klangliche Möglichkeiten. Zuweilen muten diese schon nicht mehr handgemacht-physisch an, sondern manchmal auch so, als würden sich elektrische (Klang-) Ströme kurzschließen und der verschmorte Geruch schon in die Nase steigen. Akustische Wellness-Oasen gibt es woanders schon genug – hier geht es ans Eingemachte!

Man fühlt sich vielleicht manchmal weggestoßen und dann umso ermutigter, einen neuen Versuch zu wagen und dann ist plötzlich die beglückende Erkenntnis da: Hier betreibt jemand die radikale Grundlagenforschung am unmittelbaren Klang und liefert Resulate.

Pascal Niggenkemper, 1978 geboren und nach seinem Studium in Köln mittlerweile in New York lebend, unterhält eine Vielzahl von facettenreichen Projekten, unter anderem mit Frank Gratkowski, Eve Risser, Christian Lillinger. Hier – auf sich allein gestellt- bespielt, bearbeitet und beackert er sein großes Instrument, dass es jede Rollenzuweisung/Konnotation hinter sich lässt. Das Zerstören des musikalisch Ansprechenden im Hendrixschen Sinne war gestern. Jetzt mischen Niggenkempers Harshnoise-Attacken die geneigte Hörerschaft auf. Es gibt gestrichene Tonfolgen, die an Celloetuden denken lassen, aber es schabt und knarzt und kratzt und scheppert auch ganz gehörig im Gebälk. Moduliertes Maschinengewehrfeuer geht einher mit sirrenden Flagolett-Schwebungen und „sul ponticello“-Verfeinerungen, zu deutsch meinst dies den Verzerrungs-Effekt, den man – ganz ohne Elektronik – nur dadurch erreicht, dass man den Bogen ganz eng am Steg über die Saiten streicht.

Aber Pascal Niggenkemper versenkt sich innerhalb dieser Palette aus mitunter radikalen Mitteln auch eine Kunst der subtilen Verfeinerung lebt. Man drehe den Bogen um, lasse ihn mit der rückwärtigen Stange ganz schnell über die Saiten hüpfen, was ein filigran klickendes Geräusch produziert. Dazu erzeuge man lyrische Akkordbrechungen auf dem Griffbrett – fertig ist ein erstaunliches Mikroszenario aus empfindsamer Lyrik. Pascal Niggenkemper weiß, seine Zuhörer für das Durchhalten, also das aufmerksame Anhören sämtlicher Stücke mit immer neuen Überraschungsaktionen zu belohnen, die so verquer sind wie viele Titel der 13 Stücke auf dieser CD. Es lebe die Freiheit!

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